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Sonntag, 7. September 2014

Programmierung und Meta-Programmierung des menschlichen Biocomputers (2)


9. P0 kann eine in der inneren Realität wirkende Kraft werden. P0 kann ein Eigenleben führen und sich gegebenenfalls selbst aktivieren. Langsam beginnt man zu glauben, es ist spontan, weil man es nicht selbst aktiviert hat. Es ist einfach aufgetaucht, ohne daß man es beim Namen genannt hat, ohne daß man die Adresse angegeben hat. Das spontane Erscheinen eines Programms bedeutet, daß es oberhalb der Schwelle zur Anwendbarkeit genügend Energie besitzt, um im Bewußtsein wie eine Alsob-außerirdische Entität zu erscheinen. 
10. P0 kann eine in der äußeren Realität wirkende Kraft erzeugen. Künstler kennen das. P0 kann auch ein ä.R.-Agens in jemand anderem erzeugen, wenn es an eine andere Person übertragen, genügend stark aktiviert und zu einem selbst rückgekoppelt wird. 
11. P0 kann ein in der äußeren Realität wirkendes Agens programmieren. Mit anderen Worten, P0 kann Elemente in sich tragen, die es ermöglichen, jemanden für etwas anderes zu programmieren. Eine andere Art ä.R.-Agens als die Kunst ist die menschliche Umwelt im allgemeinen, aber auch die Weit der Tiere, Kinder oder die Wohnungseinrichtung, kurzum alles außerhalb von einem selbst, wo immer man gerade etwas kreiert, das dann auf einen zurückwirkt. Wenn man ein ä.R.- Agens mit programmierenden Kapazitäten besitzt, kann man die Programmierung einem Programm überlassen. 
12. P0 kann alles enthalten, was man denken, fühlen, tun kann. 
13. P0 kann sich mit P1, P2 usw, bis Pn identifizieren. Mit anderen Worten, manche Programme verhalten sich wie ein Chamäleon; offensichtlich nehmen sie andere Namen und Adressen an, als ob sie andere Programme wären. Wenn man P2 nicht genau untersucht, mag man in ihm nicht das altbekannte P0 unter einem Decknamen wiedererkennen. Ein großer Teil der Psychoanalyse beruht darauf. Es geht darum, die Decknamen von P1 und P2 zu entlarven und dahinter das ältere P0 zu erkennen. 
14. P0 kann stärker werden, gleich bleiben oder schwächer werden, und zwar in folgenden Parameterbereichen: der enthaltenen Energie, Leistungsfähigkeit bzw. Stärke, Kraft und Verstärkung. Was unter Verstärkung zu verstehen ist, erklärt sich beim weiteren Lesen von selbst. 
15. Solange ein P0 weder positiv (+) noch negativ (-) noch plus/minus (+/-) noch plus und minus (±), d.h. neutral verstärkt ist, hat es keine Bedeutung. Diese Feststellung ist sehr wichtig. Anders ausgedrückt, in uns gibt es schlummernde Programme. Man hat buchstäblich hunderttausende latenter Programme im Inneren sitzen. Solange keines von ihnen weder positiv noch negativ noch neutral aufgeladen wird, bleibt es inaktiv. Es ist in der Tat sehr schwer, P0 ohne eine Art von Verstärkung zu speichern. Die Tatsache, daß P0 solange bedeutungslos ist, wie es nicht verstärkt wird, ist sehr wichtig; man kann in einem Buch lesen, das ein anderer geschrieben hat, und das Programm kann einem völlig entgehen. Erst wenn man einige Anstrengung hineinlegt und ihm positive oder negative oder neutrale Energie verleiht, wird es einen irgendwohin bringen. Aber solange man das nicht tut, wird es in der äußeren oder inneren Realität als ein äußeres latentes Programm verharren. Will man es als latentes Programm verinnerlichen, muß man die Schränke überwinden, die durch die Verstärkung aufgerichtet wird. Den programmspeichernden Prozessen wohnt eine Impedanz inne. Manche Leute haben eine höhere Schranke als andere. Hierzu gehört auch die uralte Idee der Beeinflußbarkeit. Manche Menschen nehmen jedes Programm an; anders ausgedrückt, sie sind höchst beeinflußbar, was bedeutet, daß sie hoch aufgerichtet oder zutiefst zu Fall gebracht werden können. Ich würde im positiven Sinne sagen, daß diese Leute ein Talent haben, Programme anzunehmen. 
16. Die Position eines P0 auf der Prioritätenliste (die Prioritätenliste ist ein Programm für sich) ist eine Funktion der Verstärkungskapazität hinsichtlich P0. Mit anderen Worten, was man für das Wichtigste hält, ist das, was die meiste Verstärkung bekommen hat. Diese Formulierungen sind, wie man sieht, ziemlich seicht. Ein latentes Programm, das mit sehr viel Energie gespeichert wurde, aber eine niedrige Aktivierungsschwelle hat, ist ein Programm, das in der unbewußten Latenz, mit der es im Ruhestand verharrt, bereits über Energie verfügt, die mit ihm zusammen gespeichert wurde und von dem Augenblick an assoziiert wird. Man muß an sich selbst erfahren, wie die eigenen Prioritäten verteilt sind. Die Prioritätenliste, die man hat, ist nicht etwas, mit dem man sich hinsetzt, um nach Belieben Programme zu konstruieren und zuzuweisen. Man muß sie untersuchen, um ihre Struktur zu erkennen. Gewöhnlich ist der Schreck groß, wenn man die eigentliche Struktur entdeckt. Es stellt sich heraus, daß das, was man immer ganz bewußt für das Wichtigste hielt, gar nicht das Wichtigste ist, sondern etwas ganz anderes diese Stelle einnimmt. Erinnern wir uns wieder an das unter Punkt 13 Gesagte: P0 kann sich mit P1, P2, Pn, usw. identifizieren. Als erstes müssen daher die Namen, die auf der Prioritätenliste stehen, untersucht werden. Sie könnten lediglich Decknamen sein, so daß man es bereits mit mindestens zwei Prioritätsebenen zu tun hat. Eine davon ist die echte, tatsächlich operierende Priorität. Eine außenstehende Person, die objektiv ist und einen gut kennt, kann einem helfen, die Prioritätenliste, so wie sie in der Außenwelt vorkommt, zu lesen, Diese kann man mit der eigenen Prioritätenliste vergleichen, so weit sie einem bewußt ist. In jeder diadischen Beziehung stößt man immer wieder auf Neues. 
17. Jedes P0 kann verstärkt werden: positiv (+), negativ (-), negativ/positiv (-/+) oder positiv/negativ (+/-) und neutral (±). Man kann jedes Programm wichtig machen, indem man es im positiven Sinne überbewertet oder im negativen Sinne schlecht macht oder verunglimpft. Dadurch wird es automatisch wichtig. Eine andere Möglichkeit ist leidenschaftbefreites, objektives Denken im neutralen Sinne. 
18. Jedes Programm P0 kann Kontrolle ausüben/kontrolliert werden. Das bedeutet, daß jedes Programm mit jedem anderen Programm in rückwirkender Beziehung steht. Auf der einen Seite wird es von einer Vielzahl anderer Programme kontrolliert, auf der anderen, also vom Output her gesehen, kontrolliert es andere Programme. 
19. Alle P0 in einem Biocomputer (B.C.) sind Teil des P0- Netzwerkes von P0 in diesem B.C.; sie sind damit verbunden/unverbunden. Der Unterschied zwischen verbundenen und unverbundenen Programmen erklärt sich durch das Folgende. 
20. Das P0-Netzwerk im Biocomputer enthält Programme, die zu anderen Programmen Verbindungen und Unterbrechungen (Unterbindungen) herstellen und außerdem mit verbundenen und unverbundenen Programmen verkehren. Eigentlich sollte vor den Begriffen«verbunden» und«unverbunden» ein alsob-Präfix stehen, denn in Wirklichkeit sind alle Programme miteinander verbunden. Man kann das Spiel spielen und sagen;«Ich werde jetzt (P0)+n, das nte P0 von allen anderen Programmen abbinden und es isolieren und zulassen, daß es andere programmiert oder von anderen programmiert wird.» Hierfür ist der Begriff der«Repression» bekannt, und wie Freud schon vor Jahren zeigte, macht dieser Akt der Repression, «die Unterbindung», alles andere als unterbinden. Das Programm wird lediglich von uns selbst und der bewußten Anwendung unsererseits abgeschnitten. Trotzdem bleibt es verbunden; es ist weiterhin aktiv, verstärkt, operativ, wie sehr man auch seine Existenz leugnen mag. 


Zitiert aus John C. Lilly, Die Programmierung der inneren Realität (i.R) und Simulationssphäre. P0 als nützlicher Metaglaube und seine Anwendung.
(John C. Lilly, Das Tiefe Selbst, Basel 1983)

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